Zusammenlegung Stadtteilfeuerwehren

Datum: 31. Januar 2002 
Alarmzeit: 10:00 Uhr 
Art: Ereignis  


Einsatzbericht:

Berichte der Fuldaer Zeitung

Fuldaer Stadtteilfeuerwehren wollen sich zusammenschließen und Sonderaufgaben übernehmen, um ihren Bestand zu wahren – Mehrarbeit soll die Zukunft sichern

Die Wehrführer (von links) Dieter Brähler (Niesig), Josef Krick (Johannesberg/Zirkenbach), Stellvertreter Thomas Helmer (Istergiesel), Bernard Braun (Edelzell), Stephan Raab (Haimbach/Rodges) und Werner Greve, Sprecher der Stadtteilfeuerwehren, präsentierten ihre Vorschläge für eine Neustrukturierung. Foto: Sabine Abel

„Als die Pläne für eine Zusammenlegung bekannt wurden, da war die Stimmung bei uns mies. Jetzt blicken wir schon wieder zuversichtlich in die Zukunft.“ Die optimistische Sicht von Stephan Raab, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Haimbach/Rodges, ist typisch. Die 20 Fuldaer Stadtteilfeuerwehren mit ihren rund 520 Einsatzkräften haben sich den Strukturvorschlägen von Thomas Hinz, dem Leiter der Feuerwehr Fulda, offensiv gestellt und für sich in ein zukunftsfähiges Modell übersetzt.

Ihre Vorschläge, die jetzt einige Wehrführer im Gespräch mit der FZ erläuterten, liegen vor (siehe Info-Kasten auf Seite 9). Kernpunkte: Die Wehren schließen sich – wo sinnvoll – zu „taktischen Verbänden“ zusammen und übernehmen Spezialaufgaben. Im Gegenzug behalten sie quasi als sinnstiftendes Identitätsmerkmal ihre Häuser und pochen auf eine Erneuerung der Ausrüstung, die teilweise jahrzehntealt ist. Ob die Vorstellungen Realität werden, liegt derweil in den Händen der Stadtverordnetenversammlung. Hinz, so die Wehrführer, stehe ihrem Papier positiv gegenüber.

Nicht „tagesalarmsicher“

Die 160 Seiten starke „Bedarfs- und Entwicklungsplanung“ von Hinz hatte im August vergangenen Jahres für Unruhe unter den Floriansjüngern gesorgt (die FZ berichtete): Der oberste Fuldaer Feuerwehrmann hatte darin die Zusammenlegung von einzelnen Einsatzabteilungen und die Auflösung von Standorten vorgeschlagen. Hintergrund war und ist, dass einzelne Feuerwehren eines Tages nicht mehr „tagesalarmsicher“ sind, es ihnen folglich nicht gelingt, in Mindeststärke binnen zehn Minuten „wirksame Hilfe“ am Einsatzort zu leisten. Grund: Viele Feuerwehrleute arbeiten tagsüber außerhalb ihres Stadtteils oder werden nicht mehr ohne weiteres von ihren Arbeitgebern freigestellt. Dies ist allerdings kein Problem, das nur Fulda betrifft. Landauf, landab schlagen sich damit viele Wehren herum. Die Fuldaer haben indes versucht, auf die geänderte Situation mit eigenen Vorschlägen zu reagieren.

„Sehr wichtig war für die Kameraden, dass sie ihre Feuerwehrhäuser und somit quasi eine Heimat behalten werden“, fasste der Sprecher der Stadtteilfeuerwehren, Werner Greve, die bisherige Diskussion zusammen. Dafür sind die Wehren nicht nur bereit, ihre Einsatzkräfte mit den Nachbarorten zusammenzulegen, sondern sie übernehmen Sonderaufgaben: Das reicht von der Gebäudesicherung nach Bränden oder Stürmen, geht über den Gewässerschutz, den die Fulda-Anrainer übernehmen, bis hin zu Einsatzkräften, die auf dem Rettungszug der Bahn mitfahren.

Daraus resultiert „eine immense Mehrarbeit“, zumal, wie der Niesiger Wehrführer Dieter Brähler andeutet, in Zukunft weitere Aufgabenfelder auf die freiwilligen Wehren übertragen werden könnten. Die Wehren müssen sich in bisweilen völlig neue Aufgabenfelder einarbeiten, betont Josef Krick, Wehrführer in Johannesberg/Zirkenbach: „Wenn wir künftig abgedeckte Dächer oder einsturzgefährdete Häuser sichern sollen, erfordert das natürlich eine Extra-Ausbildung“ – und führt zu einer steigenden Zahl von Einsätzen, weil die Wehren nicht mehr nur zu den „klassischen Bränden“ gerufen werden. Auch die Schaffung von „taktischen Verbänden“ erhöht den Aufwand: Wird in Zukunft etwa ein Feuer in Zirkenbach gemeldet, klingeln auch bei den Kameraden in Johannesberg, Istergiesel und Harmerz die Meldeempfänger, erläutert Thomas Helmer, stellvertretender Wehrführer aus Istergiesel.

Doch die Wehrführer pflichten ihrem Edelzeller Kollegen Bernard Braun bei, wenn er sagt: „Die Kameraden sind begeistert von den neuen Aufgaben. Die sind froh, dass sie auch mal was Neues lernen können.“ Dies sei auch Motivation für den Nachwuchs.

Ausrüstung oft veraltet

Positiv haben die Stadtteilwehren in Hinz‘ Studie die Liste der Defizite bei der Ausrüstung aufgenommen. Denn da hapere es mittlerweile: „Bei den einen fehlt Schutzkleidung, bei den anderen ist das Auto schon 30 Jahre alt und müsste dringend ersetzt werden“, erläutert Greve. Notwendig sei in den kommenden Jahren insbesondere die Investition in „wasserführende Fahrzeuge“. Von denen gebe es derzeit fünf. Braun weist auf ein anderes Problem hin: „Von den 22 Mann in unserer Einsatzabteilung haben neun einen Meldeempfänger, von denen aber drei defekt sind.“ Ziel sei es, dass jeder der 520 Einsatzkräfte in der Stadt solch ein Meldesystem besitzt; bisher seien es etwa 160.

Die Vorschläge der Stadtteilfeuerwehren sollen in so genannten verbindlichen Zielvereinbarungen mit der Stadt niedergelegt werden. Darin soll auch eine Art Bonussystem Eingang finden. Das bedeutet: Wer Zusatzaufgaben übernimmt, der kann mit zusätzlichen Mitteln rechnen; „Geld für ein paar Eimer Farbe oder ein paar T-Shirts“, erläutert Greve: „So etwas stärkt auch das Wir-Gefühl.“ (Siehe Info-Kasten, S. 9)

Das ist gute Arbeit

Die Fuldaer Feuerwehrmänner haben gute Arbeit geleistet: Statt sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen, sind sie offensiv mit den Reformvorschlägen umgegangen und haben eigene Ansätze entwickelt. Das ist gut so. Denn sie kennen sich in ihrem Metier am besten aus. Besser jedenfalls als die Kommunalpolitiker, die über die Reform entscheiden. Ihre Möglichkeiten haben die Wehren dabei ausgeschöpft: Sie wollen neue Aufgabenfelder übernehmen, was die Mitarbeit attraktiver macht. In einer Zeit, in der Ehrenamtliche händeringend gesucht werden, könnte dies ein Vorteil bei der Nachwuchswerbung sein.

Zweitens fordern die Stadtteilwehren eine Verbesserung der Ausrüstung. Genau hier tut sich möglicherweise ein Irrtum auf: Schon ein flüchtiger Blick über den Wunschzettel lässt Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe erahnen. Doch beim Thema Geld hören der Spaß und der finanzielle Spielraum der Kommunalpolitik meist schnell auf. Die Feuerwehren werden ihr altes Gerät wohl noch einige Jahre benutzen müssen. Unsicher ist auch, wie sich die Mehrbelastung auf den Einzelnen auswirkt. In den Familien der Feuerwehrmänner dürften die Gesichter lang und länger werden, wenn der Papa künftig öfter als bisher zu Einsätzen gerufen wird.

Vorschläge der 18 Stadtteilfeuerwehren – Neue Aufgaben, neue Standorte

In zahlreichen Sitzungen haben die 18 Stadtteilfeuerwehren von Fulda (ohne Fulda-Mitte und ABC-Zug) Konsequenzen aus der Bedarfsentwicklungsplanung diskutiert. Nachfolgend sind ihre Vorschläge für eine Neustrukturierung aufgeführt.

Edelzell, Bronnzell und Kohlhaus: Die Feuerwehren bleiben eigenständig, legen aber ihre Einsatzkräfte in die geplante Stützpunktwache Süd im Gewerbegebiet „In den Kaiserwiesen“ zusammen, wo sie „über kurz oder lang“ zu einer Einheit „Süd“ verschmelzen werden. Als neue Aufgabe werden Einsätze übernommen, die das Tragen von Vollschutzanzügen voraussetzen, etwa bei Chemieunfällen. Außerdem werden Mannschaften für den Rettungszug der Bahn gestellt.

Niesig/Lehnerz: Die Einsatzabteilungen geben ihre Häuser auf und beziehen die Stützpunktwache Nord, die ab Frühsommer im Gewerbegebiet Lehnerz errichtet wird. Als Zusatzaufgabe übernehmen die beiden Wehren Einsätze, bei denen der Schwerpunkt auf der technischen Hilfeleistung liegt. Außerdem unterstützen sie als „Portalfeuerwehr“ die Hilfskräfte bei Einsätzen in Eisenbahntunneln.

Gläserzell, Kämmerzell, Lüdermünd: Die Wehren gehen „einsatztaktisch“ am Standort Kämmerzell zusammen und übernehmen das Spezialgebiet Gewässerschutz.

Johannesberg/Zirkenbach, Istergiesel und Harmerz: Die Wehren bilden einen taktischen Verband und werden gemeinsam alarmiert. Außerdem übernehmen sie den „Schlauchwagen 2000“ und damit die Löschwasserbeförderung über lange Wegstrecken . Als Spezialgebiet werden sie die Gebäudesicherung, etwa nach Bränden oder Stürmen, übernehmen.

Haimbach: Die Wehr, die ihr Haus nicht aufgeben muss, wird als Brandschutzkomponente den ABC-Zug unterstützen, der in der ehemaligen US-Kaserne stationiert ist.

Malkes, Oberrode: Beide Wehren sollten ursprünglich zusammengelegt werden. Sie bleiben eigenständig. Malkes gibt sein Löschgruppenfahrzeuge eventuell an Kämmerzell ab.

Dietershan/Bernhards: Sie arbeiten zusammen, behalten jedoch ihre Feuerwehrhäuser und versorgen die Einsatzkräfte bei größeren Einsätzen mit Lebensmitteln.

Sickels: Die Zukunft der Wehr ist ungewiss. Die Einsatzabteilung löst sich möglicherweise auf, weil die Personalsituation als angespannt gilt.

Berichte der FZ auf Seite 7 u. 9 vom 31.01.2002