Hochwasser Dresden

Datum: 14. August 2002 
Alarmzeit: 7:45 Uhr 
Dauer: 59 Stunden 
Art: Einsatz  


Einsatzbericht:

Hochwassereinsatz 2002 in Dresden

des Kameraden Mathias Wiegand

vom 14. August bis 16. August

Mittwoch, 14.08.2002, 6.45 Uhr Ankunft in der Hauptfeuerwache Fulda. Persönliche Schutzausrüstung und private Sachen in Halle 3 gelagert, um ca. 7.45 Uhr kurze Besprechung zum Ablauf und anschließend beladen der Fahrzeuge mit Feldbetten, Wolldecken, Lunchpaketen etc.. Fahrzeugeinteilung in Gruppen 1 bis 5. Ich selbst bin der Gruppe 3 bestehend aus einem ELW von Neuhof LF16TS Hildes zugeteilt.

Verabschiedung durch Herrn Hinz, Bürgermeister Woide und …
9.30 Uhr Abmarsch Richtung Dresden. In einem Verband von insgesamt 13 Fahrzeugen und ca. 80 Mann.

Technischer Halt an der Raststätte Eichelborn

Nach einer Fahrzeit von ca. 3 Std. Technischer Halt an der Raststätte Eichelborn zwecks Betankung einzelner Fahrzeuge (Kanisterbetankung) und Lunchpakete Verteilung zur Pause. Weiterfahrt nach 10 min. An der letzten Autobahntankstelle vor Dresden tankt der ganze Fahrzeugverband voll. Das dauert ca. 30-35 min. Danach kommt das letzte Stück bis Dresden.

Ankunft in Dresden

Vor den Toren Dresdens werden wir von der Polizei abgeholt und mit Blaulicht und Martinshorn durch Dresden zu unserem Unterkunftsort geleitet. Es handelte sich dabei um ein Freizeitzentrum mit dem Namen XXL. Für das Essen und die Verpflegung was bestenes, ganz im Sinne eines Fuldares, gesorgt.

Weiterfahrt nach 10 min. An der letzten Autobahntankstelle vor Dresden tankt der ganze Fahrzeugverband voll. Das dauert ca. 30-35 min. Danach kommt das letzte Stück bis Dresden.

Warten auf den Einsatz

Die Gruppen 4 und 5 werden gegen 20.30 Uhr zum ersten Einsatz zu einer Gardinenfirma gerufen, um dort ca. 80.000 cbm Wasser auszupumpen. Unsere Gruppe wartet weiterhin auf ihren Einsatz. Um 3.30 Uhr werden wir fälschlicherweise einer Frankfurter Wehr zugeteilt kommen aber nach einer 20 minütigen nächtlichen Fahrt durch Dresden zu unserem Stützpunkt zurück. Donnerstag, 15.08.2002, 6.00 Uhr Frühstück und weiterhin warten auf sen ersten echten Einsatz der Gruppe 3.

Es ist soweit

Dann um 8.00 Uhr ist es soweit, wir fahren zu dem Ärztehaus Blasewitz und lösen die Wehr von Hilders ab, welche die Nacht über sachon vor Ort waren. Unser Einsatz lautet das Ärztehaus von außen mit den vorhandenen 150 Sandsäcken zu sichern. Da aber die Flut ständig steigt und der Scheitelpunkt der Elbe noch nicht erreicht ist, werden nochmals 1000 Säcke angefordert, die wir an den Fenstern zum Elbufer hin aufschichten.

10.30 Uhr die Flut steigt weiter und die Wassermassen drohen von der Rückseite des Gebäudes über ein Wiesengrundstück bei einer Außentür einzudringen. Mittlerweile ist auch das THW-Frankfurt eingetroffen um uns und die vielen Dresdener Bürger, die hier vorbeikommen und einfach mit anfassen.

12.00 Uhr: Momentan komme die Sandsäcke LKW-Weise und wir schichten mit all den Helfern hier was das Zeug hält bis die Arme lang und länger werden.

15.00 Uhr: An der Uferseite beginnen wir die Fenster mit Schaltafeln vor dem bevorstehenden Wasserdruck zu sichern und mit Folie und nochmals mit Sandsäcken einigermaßen abzudichten, was uns bis 18.00 Uhr auch gut gelingt.

Bis es anfängt über die Bodeneinläufe und vom Grundwasser her in das Gebäude einzudringen. In einem Flurwird unter einem Teppich ein großer Schacht entdeckt, bei dem es anfängt hochzusprudeln. Daraufhin trennen wir den Flur von zwei gegenüberliegenden Fluren, welche noch trocken sind, mit Folien und Sandsäcken ab, um eine Wanne zu bilden damit ein effektiveres abpumpen erreicht werden kann. So erstreckt sich der Einsatz von 8.30 – 21.45 bis wir abgelöst werden.

22.10 Uhr treffen wir in den Unterkünften ein. Unser Einsatzleiter vom Kontigent Fulda, Herr Hillenbrand, hat schlechte Nachrichten für unsere Gruppe. Die Duschen und Toiletten funktionieren nicht, weil das Kanalnetz kollabiert. Doch der Malteser Hilfsdienst hat für Abhilfe gesorgt, was das Duschen angeht. Es ist eine Wasserversorgung von einem Unterflurhydranten via einem Standtrohr, Reduzierstücke bis hin zu einem Gartenschlauch mit Handbrause aufgebort worden. So können wir uns von Schweiß und Sand doch noch befreien. Nach der kalten Dusche fühlt man sich wie neu geboren. Danach telefonierte ich nach Hause und genehmigte mir zwei Bier.

Nach ein paar Stunden Schlaf ruft der nächste Einsatz. Bevor es los geht erfahren wir noch das das Ärztehaus in der Nacht aufgegeben werden musste und unsere Bemühungen so leider umsonst waren.

Der nächste Einsatz

Es ist Freitag, der 16.08.2002 um 3.45 Uhr als uns der nächste Einsatzbefehl, mit dem Ziel die Gen-Technische-Universität erreicht. Unsere Aufgabe dort lautet Wasser aus dem Keller mit Tauschpumpen, welches aus den Bodeneinläufen, Duschen und sogar Toiletten läuft, abzupumpen.

Zusammen mit Wehren aus Frankfurt und Darmstadt, können wir den Wasserspiegel solange konstant halten, bis in dem gesamten Stadtviertel aus Sicherheitsgründen der Strom abgeschaltet wird. So endet schließlich um 9.45 Uhr für uns der Einsatz bei der Uni.

Abfahrt

Nachdem wir in unsere Unterkünfte zurückgekehrt waren sind unsere Feldbetten schon alle verladen worden. Somit war der Hochwassereinsatz für die Wehren von Fulda und dem Landkreis Fulda in Dresden beendet.

Nach einer Ansprache von Rolf Hillenbrand über die gute Zusammenarbeit und geleistete Hilfe für Dresden stellt sich der Konvoi um 10.30 Uhr zusammen, damit pünktlich um 11.00 Uhr die Heimreise beginnen kann.

Es stellt sich aber schon bald heraus, dass es gar nicht so einfach ist, aus Dresden herauszukommen, als vor 3 Tagen nach Dresden hineinzufahren. Denn die meisren Brücken sind jetzt wegen Hochwasser gesperrt. Über mehrere Umwege und eine Stunde Fahrt in Dresden, gelangen wir über eine teilweise unter Wasser stehende Straße aus der Stadt heraus. Nun können wir alle beruhigt die Heimreise weiter antreten.

Nach mehreren Stunden Autobahnfahrt treffen wir am Freitagabend, den 16.08.2002 gegen 18.45 Uhr wohlbehalten aber müde von dem Einsatz in der Fuldaer Hauptfeuerwehrwache ein.

Für mich persönlich wird dieser Einsatz immer eine bleibende Erinnerung haben.

Mathias Wiegand

Ausschnitt aus der Fuldaer Zeitung