Brand Papierfabrik Jass

Datum: 5. August 2003 
Alarmzeit: 16:06 Uhr 
Art: Einsatz  


Einsatzbericht:

Einen erneuten Großeinsatz – vier Tage nach dem aufreibenden Millionenbrand in der Textilfirma Weber – gab es heute Nachmittag für die Feuerwehren der Stadt Fulda. Gegen 15 Uhr 30 wurde wegen eines Brandes im Außenpapierlager der Papierfabrik Jass im Industriegebiet „Eisweiher“ Alarm ausgelöst. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Feuers auf Betriebsgebäude verhindern. Heute abend um 21:30 Uhr nach sechs Stunden dauern die Löscharbeiten noch immer an.

Auch bei diesem Schadenfeuer waren bisher über 100 Wehrleute im Einsatz – und die Löscharbeiten werden noch die ganze Nacht zum Mittwoch weitergehen, weil die gepressten Papierballen berieselt werden müssen. Während der gefährlichen Lage durch ein drohendes Übergreifen auf die Gebäude, waren diese auch gekühlt worden.

Das Papierlager, das neben dem Bahndamm der ICE-Strecke Fulda – Kassel liegt, brannte auf einer Fläche von 300 mal 50 Metern. Nach dem ersten Löschangriff wurde von der Leitstelle Fulda aus nachalarmiert: innerhalb kurzer Zeit bekämpften über 100 Wehrleute aus Fulda-Mitte sowie den Stadtteilwehren Gläserzell, Lehnerz, Kohlhaus, Harmerz und Haimbach das Feuer. Am Brandort waren mehr als 20 Fahrzeuge eingesetzt und aus 20 Rohren wurden die lodernd brennenden Papierballen gelöscht.

Nach Angaben von Feuerwehr und Polizei gab es keinen Austritt von gefährlichen Stoffen. Ebenfalls keine Gefahr ging von dem Silo in der Nähe des brennenden Lagers aus – darin lagerte nur in Wasser eingeweichtes Papier. Durch das verbrannte Papier entstanden aber starke Rauchschwaden, die durch den Wind von der Fabrik weggetragen wurden. Über Teilen der Stadt – bis hin zum Barockviertel – sei es zu einem regelrechten „Ascheregen“ und Dutzenden Anrufen besorgter Bürger gekommen. Doch dabei handelte es sich nur um Ruß. In Kohlhaus etwa – so informierte ein aufmerksamer Internet-Leser „Osthessen-News“ – sei der Brandgeruch bemerkbar gewesen.

Die Brandursache ist noch unbekannt. Nicht eindeutig ist offenbar auch der Entstehungsort des Feuers. In einer ersten Mitteilung am späten Nachmittag berichtete die Pressestelle des Polizeipräsidiums Osthessen, das Feuer habe seinen „Ursprung“ in der unmittelbar vorbeiführenden Bahntrasse. Dort sei der Bahndamm auf etwa 30 bis 40 Metern aus unbekannter Ursache in Brand geraten und die Flammen hätten auf das Papierlager übergegriffen.

Ein Kriminalbeamter, der noch während der Löscharbeiten die Ermittlungen aufnahm, sagte jedoch etwa eine Stunde später, dies sei „eher unwahrscheinlich“. Es sehe eher so aus, als ob sich die Flächen am Bahndamm durch das Feuer im Papierlager entzündet hätten.

Trotz der zeitweise brennenden Böschung des Bahndamms war der Zugverkehr nicht beeinträchtigt. Ein Notfallmanager der Deutschen Bahn AG war vor Ort und die Züge – die sich dort schon im Einfahrtsbereich des Fuldaer Bahnhofes befinden – konnten ganz langsam an der Brandstelle vorbeifahren. Allerdings waren die Straßenzufahrt zum Industriegebiet und die Staße „An Vierzehnheiligen“ für den Verkehr gesperrt.

Der Geschäftsführer des Unternehmens bezifferte gegenüber „Osthessen-News“ den Sachschaden am frühen Abend auf etwa 230.000 Euro. Das Altpapierlager umfasse etwa 7.000 Tonnen Altpapier mit einem Gesamtwert von etwa 450.000 Euro. Da es der Feuerwehr gelungen sei, „eine Schneise“ in die Stapel zu schlagen, sei „vielleicht die Hälfte zerstört“. Allerdings könne sich dies noch ändern, wenn in den festgepressten Ballen das Feuer weiter schwele oder neu zum Ausbruch komme.

Den genauen Schaden werde das Unternehmen erst in einigen Tagen angeben können, sagte der Geschäftsführer. Er merkte auch kritisch an, dass er „gerade mal eine halbe Stunde nach Brandausbruch und während der schwierigen Situation für uns von der Presse nach Zahlen befragt“ worden sei und fühlte sich angesichts des Unglücks davon sowie von einer falsch veröffentlichten Schadenssumme eher unangenehm berührt.